Quelle: © Petra Bork / PIXELIO

Unterhält man sich mit Aktiven im sozialen Bereich – in meinem Fall vorrangig Personen aus dem Bereich der Jugendhilfe / Jugendarbeit – so gibt es auf der einen Seite die, die Social Media vollends für sich entdeckt haben und die Möglichkeiten auch beruflich auszuschöpfen versuchen. Auf der anderen Seite gibt es eine große Gruppe, die diesen Mittel eher skeptisch und einstweilen sogar ablehnend gegenüber stehen.

Dies ist eine rein subjektive Liste der Argumente, die gegen den vielfältigen Einsatz von Social Media im sozialen Bereich aufgeführt werden – und wie man diesen Bedenken begegnen kann.

1. “Davon habe ich überhaupt keine Ahnung!”

Social Media ist ein großes Feld, den Überblick zu behalten fällt definitiv nicht leicht. Man kann von niemandem erwarten, das er über sämtliche Entwicklungen und Möglichkeiten informiert ist und diese selbstverständlich in seinem Berufsalltag nutzt. 

Aber: wie wohl in jedem Berufsfeld auch gehört die Fort- und Weiterbildung zu den Erwartungen an einen Sozialpädagogen / Sozialpädagogin. Da unsere Gesellschaft zunehmend digitalisert, gehört dieser Bereich definitiv dazu. Das soll nicht bedeuten, aus jedem Berufstätigen einen Social Media-Experten zu machen, aber ein Stück weit sollte man sich an dieses Thema heranwagen, um es schrittweise und sinnvoll in den Alltag zu integrieren.

2. “Für sowas haben wir im Berufsalltag keine Zeit übrig!”

Soziale Arbeit findet nahezu in allen Sparten unter verschärften Bedingungen statt. Personelle und finanzielle Sparzwänge, der Berg der Aufgaben wächst entgegensetzt dazu stetig. Da bleibt oftmals kein Raum, um neuartige Methoden in den Berufsalltag zu integrieren.

Aber: Die Integration von Social Media in den Arbeitsalltag ist natürlich mit einer Umgewöhnung und einer anfänglichen Mehrarbeit verbunden. Auf lange Sicht kann es in einigen Bereichen zur Entlastung kommen, wenn man etwa Jugendliche mit wenigen Klicks bei Facebook mobilisieren kann – anstatt wie früher Treffpunkte einzeln abzulaufen oder Unmengen an Flyern und Poster zu verteilen.

3. “Soziale Arbeit soll persönlich und direkt stattfinden, nicht anonymisiert im Netz!”

Vollste Zustimmung! Soziale Arbeit zeichnet sich durch persönlichen Kontakt aus, Social Media wird hier niemals eine Konkurrenz, darf es sogar nie werden. Nur in der direkten Kommunikation können Potentiale entfaltet und Probleme gelöst werden.

Aber: Soziale Netzwerke lassen die Hemmschwellen der Kontakt-Aufnahmen sinken. Betroffene jeglicher Art können schnell und direkt entsprechende Stellen kontaktieren und werden zumeist direkt gehört und bekommen eine schnelle Antwort. Das ersetzt in keinem Fall die direkte Beratung, durch diesen Erst-Kontakt im Netz können potentiell mehr Personen erreicht werden, die sich ansonsten kaum oder nie an entsprechende Stellen werden. 

4. “Social Media? Das ist mir aus Gründen des Datenschutzes und der Datensicherheit zu riskant!”

Soziale Arbeit wird oftmals mit vertraulichen Details konfrontiert, die nichts im Netz zu suchen haben. Man weiß oftmals nicht, in welcher Form Kommunikation ausgewertet und “überwacht” wird. Auch dieser Punkt dürfte bei Professionellen in der Sozialen Arbeit absolut unstrittig sein.

Aber: Im Prinzip gilt hier das gleiche wie bei Punkt 3! Social Media wird niemals richtige Beratungs-Settings und den direkten Kontakt mit Klienten der Sozialen Arbeit ersetzen. Nichtsdestotrotz können diese Instrumente durchaus für den Erst-Kontakt, die Öffentlichkeitsarbeit etc. genutzt werden. Personenbezogene Daten, die oftmals nicht einer gewissen Brisanz entbehren, gehören aber nach wie vor und uneingeschränkt NICHT hierhin.

5. “Was bringt und das überhaupt?”

Viel Zeit investiert, keine Probleme gelöst. Aussprüche dieser Form sind durchaus häufig zu hören und sicherlich auch richtig.

Aber: Social Media ist definitiv kein Problemlöser, nach wie vor stehen die Akteure der Sozialen Arbeit in der Pflicht. Und genau mit dieser Haltung muss man sich den Möglichkeiten im digitalen Raum öffnen: durch einen vereinfachten Kommunikationsweg kann hier ein schnellerer Kontakt aufgebaut werden, der dann in die reale Welt transportiert werden MUSS. Soziale Netzwerke & Co. können der Kontaktaufnahme, der Kontaktpflege, dem Aufbau eines Netzwerkes, der Öffentlichkeitsarbeit, der Suche nach Kooperationspartner und Sponsoren, etc. durchaus dienlich sein, können und dürfen aber niemals die Face-To-Face-Kommunikation ersetzen.


Abschließend bleibt zu sagen, das viele Einwände gegen den Einsatz von Social Media in der Sozialen Arbeit nicht gänzlich von der Hand zu weisen sind. Jedoch ist es mitunter von Nöten, die Perspektive hin zu möglichen Potentialen und Chancen zu wechseln. Zudem gehört das Internet mittlerweile zur Lebenswelt vieler Menschen, und die Nähe zu eben dieser Lebenswelt schreibt sich die Soziale Arbeit als Herausstellungsmerkmal auf die Fahne.

Man darf aber keine Wunder erwarten, denn die komplexen Ausformungen des Social Webs bedürfen einem Konzept und fachlicher Handhabe. Dann können sie die (soziale) Arbeit durchaus erleichtern, werden sie aber niemals ersetzen!