Facebook ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, das gilt nicht erst seit den letzten Nutzerzahlen und der Meldung, das 1 Milliarde Menschen Facebook nutzen. Ich möchte an dieser Stelle nicht in die Pro- und Contra-Debatte über den (Un)Sinn von Facebook einsteigen. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, das Facebook ein hohes Potential für die Soziale Arbeit hat. In meiner Funktion als Gemeindejugendpfleger ist Facebook in der Kommunikation und der Arbeit mit Jugendlichen nicht mehr weg zu denken. 

Eine subjektive, unsortierte Liste, mit 5 Möglichkeiten, Facebook in der Jugendarbeit einzusetzen und aktiv zu nutzen.

1. Öffentlichkeitsarbeit / Werbung 2.0

“Tue Gutes und poste es” – Facebook dient einerseits dazu, die vielfältigen Angebote der Jugendarbeit einem breiten Publikum zuzuführen. Darüber hinaus macht es der Jugendarbeit wesentlich leichter, seine Zielgruppe direkt zu “bewerben” und diese über aktuelle Projekte und Angebote zu informieren. Die Zielgruppe der Jugendarbeit befindet sich gefühlt zu 99% im Netz und bei Facebook, so das es sträflich wäre, diesen viralen Faktor zu vernachlässigen. Zudem sind immer mehr Eltern, Interessierte und Entscheidungsträger in Facebook aktiv, so das auch in diese Richtung Öffentlichkeitsarbeit erfolgt. Flyer, Zeitungsartikel und Videos können hier schnell “an den Mann” gebracht werden.

2. Niedrigschwellige Beratung von Jugendlichen

Räume der Jugendarbeit, vom Jugendtreff bis zum Jugendkulturzentrum, sind von je her Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche und ihre Alltagsfragen und -probleme. Aber nicht jeder kann und will sich die Tätigen vor Ort, zum Beispiel im offenen Treff, ansprechen – der wuselige Charakter hier kann diesbezüglich “abschreckend” für Jugendliche sein. Hier kann Facebook eine sehr niedrigschwellige Anlaufstelle für Jugendliche sein, um mit vertrauten Personen in einem ruhigen “Ambiente” in Kontakt zu treten. Der direkte Chat kann dabei jedoch nur der Beginn sein, intensive (Beratungs)Gespräche können an dieser Stelle nur angebahnt werden und der Wegbereiter für ein direktes Gespräch sein.

3. Mobilisierung / Aktivierung

Jugendarbeit ist der Raum, an dem Jugendliche sich austesten, aktiv ihre Freizeit gestalten und Teilhabe erproben können. Es ist vermehrt festzustellen, das Jugendliche ihre freie Zeit “verinselt” an verschiedenen Orten verbringen und so in einer größeren Masse nur schwer zu greifen sind. Aktionen und Projekte in der Jugendarbeit sind so immer schwerer zu organisieren. Hier kann über gezielte “Ansprache”, in Form von privaten Nachrichten, Gruppennachrichten oder öffentlichen Aufrufen, eine wesentlich größere Masse angesprochen werden. Die Nutzung der Veranstaltungs-Funktion ist hier ebenfalls nicht zu vernachlässigen. 

Nichtsdestotrotz muss Jugendarbeit für ein breites und attraktives Programm sorgen, das Jugendliche anzieht. Der Einsatz von Facebook kann auch ein fades Programm nicht ersetzen. 

4. Zielgruppengerechte Ansprache

Die offene Jugendarbeit richtet sich an eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen, die in sehr heterogenen Gruppen organisiert sind. Jugendarbeit kann, wenn sie sich aktiv in sozialen Netzwerken bewegt, diese Gruppen bedarfsgerecht informieren und ansprechen. Sortiert man etwa seine “Freunde” in entsprechende Listen und Gruppen (z.B. “Video-Gruppe”, Breakdance-Gruppe”, etc.) ein, kann man diese je nach Situation informieren und ansprechen.

5. Am Puls der Zeit mit dem Newsfeed

Der Newsfeed von Facebook bietet Professionellen in der Jugendarbeit einen guten Überblick über aktuell vorherrschende Themen der Jugendlichen, da eine Vielzahl recht freizügig in diesem Medium agiert.. So kann man bedarfsgerechte und flexible Angebote erstellen, erproben und gewisse Schwerpunkte in den pädagogischen Alltag holen und aufgreifen.

Aber:

Wie bereits kurz angesprochen, kann Facebook nicht die Fachlichkeit der Jugendarbeit ersetzen. Der pädagogische Alltag steht nach wie vor im Mittelpunkt dieses Berufsfeldes. Facebook kann hier (nur) unterstützende Arbeit leisten.

Dabei muss ein Facebook-Profil (oder eine Seite) aktiv genutzt und betreut werden. In der vorherrschenden Schnelllebigkeit muss ein Auftritt bei Facebook aktuell sein und regelmäßig aktualisiert werden. Keine Frage, das kostet Zeit und Ressourcen, die vielleicht nicht jedermann aufbringen kann. Hier sollte man sich gut überlegen, ob man die Arbeit vor Ort intensiviert oder sich im Netz verliert…

Darüber hinaus sollte man Facebook bezüglich des Datenschutzes und Vetraulichkeit von Daten NICHT unreflektiert nutzen und dies ebenso mit Kindern und Jugendlichen thematisieren. Zudem sollte man Facebook nicht dazu nutzen, Jugendliche “auszuspionieren”, zu “verfolgen” und sich in Diskussionen und Kommentare einzumischen, da sie auch in diesem sehr öffentlichen Raum gerne mal unter sich sind.