In der (noch) aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel bin ich auf den Artikel Tinte gegen Tastatur von Jan Friedland gestoßen (Ausgabe 19/2013, S. 50). Er handelt von dem ersten digitalen Abitur in Deutschland.

Schüler des privaten Gymnasiums Schloss Neubeuern lernen im Rahmen des Programms Digital Ink in digital gestalteten Lernumgebungen. Per digitalem Pult unterrichtet der Lehrer an elektronischen Tafeln, Aufgaben und Bücher werden für Schüler im Netzwerk bereitgestellt. Über spezielle Tische und dort integrierte Touch-Computer haben die Schüler direkten Zugriff auf diese Materialien.

Bei den aktuellen Abiturprüfungen prallen jedoch die digitale und analoge Welt aufeinander, Prüfungen werden unter strengen Auflagen am Computer eingegeben, Teile der Aufgaben müssen klassisch mit Stift und Papier gelöst werden. Auf Grund eines Schnelltippervorteils sind keine Tastaturen zugelassen. Korrigiert werden die Prüfungen ganz altmodisch, auf ausgedrucktem Papier.

Nach dem Lesen des Artikels und einem Begutachten der Homepage von Schloss Neubeuern kommen mir folgende Gedanken:

  • Digitale Methoden werden schon heute in den Schulalltag integriert. Dabei herrscht jedoch noch eine große Kluft zwischen Möglichkeiten und fortschrittlichen Denken auf der einen Seiten und bildungspolitischen Vorgaben auf der anderen.
  • Immer mehr Schulen integrieren elektronische Tafeln o. Ä. in den Schulalltag. Es benötigt aber mehr als eben diese, digitale Lernumgebungen müssen auf den ganzen Lernort Schule übertragen werden und Schüler wie Lehrer einbeziehen.
  • Digitale Schule ist ein kosten- und zeitintensive Angelegenheit, die von normalen Schulen in der aktuellen Situation kaum geschultert werden kann. Hier haben finanzstärkere Privatschulen definitiv einen Feldvorteil.

Das Schloss Neubeuern verfolgt einen durchaus interessanten Ansatz, der aber bei weitem nicht auf die komplette Schullandschaft übertragen werden kann. Übrigens: die Noten der Privatschüler befinden sich auf bayerischem Durchschnittsniveau.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus dem Artikel, der sehr gut eine passende Haltung zu dem Einsatz digitaler Lernmethoden vermittelt:

Es ging dort vor allem darum, “wie digitale Methoden sinnvoll in den Unterricht integriert werden, ohne selbst der Unterricht zu sein.” Dass die Technik allein die Schüler schlauer oder besser macht, behauptet in Neubeuern niemand.