Das Thema Medienkompetenz steht im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Die Vermittlung dieser neuen Schlüsselkompetenz ist unabdingbar. Diese Aussage dürfte unter Praktikern unumstritten sein. Angebote und Projekte sind vielfältig und richten sich größtenteils an junge Nutzer. Meines Erachtens verliert man dabei oftmals eine Zielgruppe aus dem Blick, die hier besonderen Nachholbedarf haben: die Eltern!

Mit der Jugendinformationsstelle Café ABDate bin ich regelmäßig an Schulen im Landkreis Aschaffenburg unterwegs. Wir führen Präventionsprojekte mit den Schwerpunkten Cybermobbing / Online-Konflikte sowie Umgang mit Daten im Netz in 5. -7. Klassen durch. Diese Projekte öffnen Schülern oftmals die Augen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu agieren. Jedoch möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter mit diesem oder anderen Präventionsprojekten beschäftigen, sondern vielmehr meine Erfahrungen schildern, wie der Umgang mit diesen Themen im Elternhaus umgegangen wird und wie wichtig dieser ist.

Zusammengefasst machen wir oftmals folgende Erfahrungen:

  • Viele Eltern wissen oftmals nichts über die Mediennutzung ihrer Kinder. Zumal sind die frequentierten Programme, Webseiten und sozialen Netzwerke in ihrer Funktionsweise und Integration in den jugendlichen Alltag unbekannt.
  • Diese Nutzung ist oftmals negativ konnotiert. Chancen und Möglichkeiten von digitalen Medien werden kaum erkannt.
  • Grenzen werden zumeist durch Restriktionen gezogen (Verbote, Filter- und Schutzprogramm, das Ausstöpseln des Routers,…), die an der Realität vorbei zielen und für Kinder und Jugendliche unverständlich sind.
  • Kinder und Jugendliche, die über fachkundige Eltern verfügen, gehen wesentlich reflektierter und sorgsamer mit digitalen Medien um und bewegen sich achtsamer durch das WWW.

Man muss bei diesen Rahmenbedingungen bedenken, dass die Ablehnung oder kritische Haltung oftmals aus Unwissenheit über genutzte Medien resultiert. Deswegen ist es nahezu unabdingbar, Eltern in Sachen Medienkompetenz mit ins Boot zu holen. Neben der Schule und Peer-Groups sind Eltern eine wichtige Sozialisationsinstanz und in der Regel eine wichtige Säule im Leben von Heranwachsenden.

Wir machen die Beobachtung, dass sich Eltern gar nicht zu 100% mit den hochdynamischen Möglichkeiten und Angeboten des Internets auskennen müssen. Viel wichtiger ist es, das ein gewisses Erfahrungsfundament vorhanden sein muss, dass es Eltern erlaubt, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen auf Entdeckungstour zu gehen. Sobald Berührungsängste abgebaut werden, ist ein unverkrampfterer Umgang mit der Lebenswelt Internet und den sozialen Medien möglich. Das bringt Eltern in die Lage, sich als neugieriger und adäquater Gesprächspartner für Kinder und Jugendliche ins Spiel bringen. Diese können Probleme und Erfahrungen offener ansprechen und werden nicht mit Unverständnis und Ablehnung konfrontiert. Abweisung führt dazu, dass gemachte Erfahrung nur unzulänglich oder gar nicht reflektiert und besprochen werden können und somit mitunter unlösbare Spannungen entstehen können. Und dies kann im schlimmsten Fall zu negativen Nutzungsmustern führen.

Gerade im Übertrittsalter von Grundschule hin zu weiterführenden Schulen verändert sich das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen, man wird mit vielen neuen Gesichtern und Freundeskreisen konfrontiert. Hier machen Heranwachsende – auch im Bereich der Mediennutzung – wertvolle und wichtige Erfahrungen. Nichtsdestotrotz ist die familiäre Basis – trotz aller auftretender Probleme und Reibereien in diesem Alter – ein wichtiger, essentieller Rückhalt.

An dieser Stelle muss nochmal betont werden, das die hervorragende Arbeit von vielen MedienpädagogInnen mit Kindern und Jugendlichen zu keinem Zeitpunkt in Abrede gestellt werden soll. Vielmehr gilt es, die Zielgruppe zu erweitern und diese immanent wichtige Sozialisationsinstanz mit ins Boot zu holen. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Wegen, von Elternabenden bis hin zu Projekten in Jugendeinrichtungen, in deren Rahmen Heranwachsende ihre Eltern in die bunte Welt des Internets einführen, sind viele Variationen denkbar!

Wie steht ihr zu diesem Thema? Habt ihr bereits Erfahrungen mit Angeboten und Projekten für Eltern gemacht oder kennt empfehlenswerte Angebote?