Wenn man sich dem Thema Außerschulische Jugendbildung zuwendet, kommt man nicht umhin, vorher einen Blick auf das Oberthema Bildung zu werfen. Dieser Artikel soll eine erste Annäherung sein.

Bevor man sich in das digitale Getümmel stürzt und nach einschlägigen Begriffsklärung sucht, sollte man sich den Grundfesten dieses Themas zuwenden: Was ist eigentlich Bildung? Die Medien sind stets prall gefüllt mit diesem Begriff: man spricht über die neuen Ergebnisse des OECD-Bildungsbericht, der Deutschland in diesem Punkt eine negative Bilanz ausspricht, auch die Diskussion um den Einsatz von Computern an Schulen wird der allgemeinen Bildungsdebatte zugerechnet. Der Begriff Bildung wird von der Allgemeinheit meist mit der Institution Schule und der beruflichen Ausbildung in Verbindung gebracht, jedoch greift diese Erklärung – vor allem in der historischen Betrachtung – viel zu kurz.

Die Komplexität des Begriffes Bildung kann ich in diesem Rahmen nicht vollständig auflösen, da es eine detaillierte Abhandlung benötigen würde, die auf verschiedene Strömungen eingehen und sich mit den Vordenkern zu diesem Thema, wie etwa Platon (428/427 v. Chr. – 348/347 v. Chr.), Immanuel Kant (1724 – 1804) oder Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835), beschäftigen müsste.

Der Begriff Bildung wurde erst Ende des 13. Jahrhunderts von Meister Eckhart in die altdeutsche Sprache eingeführt, der Begriff bildhunga steht hiernach für “Schöpfung, Bildnis, Gestalt”. Ohne diesen Begriff explizit zu verwenden, fanden bereits in der Antike Überlegungen zu Lehrprozessen statt, die man heutzutage dem Bildungsbegriff unterordnen würde. Hervorzuheben ist hier vor allem das Höhlengleichnis von Platon, als Teil seiner Staatslehre Politeia, in dem Platon Bildung als Prozess beschreibt, sich von der Welt des Scheins zu befreien und durch Bildung Freiheit zu erlangen. 

„Die platonische Höhle“ von Jan Saenredam nach dem Ölgemälde von Cornelis van Haarlem – Gefunden auf Wikipedia.de

Mit diesem Gleichnis ist Platon gar nicht so weit von dem heutigen Verständnis des Bildungsbegriffs entfernt. In der modernen Gesellschaft wird Bildung als ein lebenslanger Prozess verstanden, in dem der einzelne Mensch fortwährend seine sozialen, intellektuellen, geistigen und praktischen Fähigkeiten ausbaut und vermehrt. Dieser Prozess dient einerseits dem Funktionieren des Einzelnen in den verschiedene Teilbereichen unserer Gesellschaft – Familie, Beruf, etc. – und darüber hinaus der individuellen Freiheit, in dem sich der Mensch nicht nur tradierten Auffassungen und Normen unterwirft, sondern sich reflexiv selbst eine Meinung bildet. Bildung steht dabei sowohl für einen Prozess als auch für einen Geisteszustand – welche aber für sich genommen stets dynamisch sind und sich in einem stetigen Fluss befinden.

Bildung kann dabei nicht auf die große Institution Schule reduziert werden, so findet sie doch nahezu in jedem Lebensbereich statt. Familie, Freunde, Peer-Groups, Soziale Netzwerke (On- oder Offline), um nur ein paar wenige zu nennen. Erwähnenswert ist an diesem Punkt der Aspekt der Freiwilligkeit, ohne die kann kaum ein Bildungsprozess erfolgreich verlaufen kann. Bildung kann nicht indoktriniert werden, sondern beruht auf der Motivation des Lernenden.  

Diese knappe Ausführung soll die Vielschichtigkeit des Bildungsbegriffs nur andeuten und hervorheben, das er durch die ganzheitliche Bedeutung für einen Einzelnen auch Thema für die Gesamtgesellschaft ist und somit leidenschaftlich von der Politik diskutiert und thematisiert wird. Ob diese Debatte dabei immer in der richtigen Bahn verläuft, lasse ich an dieser Stelle mal unkommentiert…

Wenn man jetzt noch die stetig wachsende, gesellschaftliche Bedeutung von digitalen Medien hinzunimmt, kann man sich ausmalen, das die beiden Pole Bildung und Medien in der Zukunft nicht mehr ohne einander auskommen werden. Da können die größten Kritiker noch so lautstark klagen…