In einem früheren Artikel habe ich versucht, den Bildungsbegriff grundlegend darzustellen. Nun möchte ich mich in einem nächsten Schritt der außerschulischen Jugendbildung nähern und so einen Bogen zu dem grundlegendem Thema dieses Blogs schlagen.

In unserem Bildungssystem ist die Schule Bildungs- und Lerninstanz Nummer eins. Bildung ist ein lebenslanger, reflexiver Prozess. Lernen ist dabei als eine Unterkategorie dieses Prozesses zu verstehen. Die zeitliche Dimension deutet bereits an, dass Bildung weit über die Grenzen von Schule herausreicht und sich bis ins hohe Alter zuträgt. Das Kinder- und Jugendalter ist zwar sehr stark von schulischen Lernaktivitäten dominiert, nichtsdestotrotz eröffnen sich den Heranwachsenden auch darüberhinaus wichtige Lernort und bedeutsame Bildungsvorgänge.

Außerschulische Jugendbildung ist ein Theorie- und Praxisfeld, dass im Sozialgesetzbuch VIII im §11 aufgeführt und der Jugendarbeit untergeordnet ist. Dort heißt es unter §11 SGB VIII Absatz 3:

(3) Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören:

1. außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung… [1. siehe www.sozialgesetzbuch-sgb.de]

Hartmut Griese merkt an, dass Außerschulische Jugendbildung unter einer starken Begriffsdiffusion leidet und es keine klare Begriffsklärung gibt. [2. Griese, Hartmut (2003). Außerschulische Jugendbildung – was ist das eigentlich. In: REPORT Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung / 2003: Erwachsenenbildung und Demokratie (S.235)] Sowohl die Begriffe außerschulische – quasi alles außerhalb der Institution Schule – und Jugendbildung – nahezu selbsterklärend – lassen viel Deutungsspielraum, ohne dabei genauer auf den eigentlichen Inhalt einzugehen.

Detaillierter und pointierter formuliert es Benno Hafeneger:

In systematischer und institutioneller Perspektive ist die Außerschulische Jugendbildung “im engeren Sinne” eine eigene und plurale Bildungs- und Erfahrungswelt im Bereich der non-formalen (nichtformellen) Bildung und somit eine außerfamiliale und nichtschulische Bildungsinstanz. Sie hat eigene Settings und Formate, eigene Lernorte, -formen und -zeiten, ist von einer Vielzahl von Inhalten, Themen und Methoden gekennzeichnet. [3. Hafeneger, Benno (2013). Einleitung. In: Hafeneger, Benno (Hrsg.). Außerschulische Jugendbildung. Grundlagen – Handlungsfelder – Akteure. 2. ergänzte und überarbeitete Auflage (S.9). Wochenschau Verlag.]

Außerschulische Jugendbildung erfüllt dabei einige Voraussetzungen, die es von anderen Bildungsbereichen eindeutig abgrenzt:

  • außerschulischer und -familaler Kontext
  • Bildungsangebote sind meist in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen angesiedelt
  • Bildungsangebote knüpfen an Themen und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen an
  • die Lernorte sind in den Lebenswelten der Heranwachsenden angesiedelt
  • ermöglichen und stärken eigenverantwortliches und selbstgesteuerte Lernprozesse
  • basiert auf Eigenmotivation und Freiwilligkeit

Da außerschulische Jugendbildung direkt in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen angesiedelt ist, ergeben sich viele Möglichkeiten und Chancen, Bildungsprozesse anzuleiten und – gemäß Platons Verständnis von Bildung – die Flamme in Heranwachsenden zu “entzünden”. Man packt sie bei ihren Interessen und kann attraktive Angebote “vor Ort” implementieren. Durch den hohen Lebensweltbezug und dem Schaffen von Erfahrungswelten ist oftmals eine hohe Motivation durch aktive Teilnahme gegeben, ein wichtiger Pfeiler für selbstgesteuerte und nachhaltige Bildungsprozesse. Gerade durch Teilhabe und Partizipation lassen sich junge Mensche begeistern und werden so zu den aktiven Gestaltern des eigenen Selbst.

Man darf aber nicht unerwähnt lassen, dass das Feld der außerschulischen Jugendbildung trotz des hohen Freizeitbezuges auf geplante und strukturierte Lern- und Lehrsettings angewiesen ist. Bekannte Theorien und Methoden lassen sich dabei nicht ungefragt übertragen. Sie müssen modifiziert, angepasst und stetig fortentwickelt werden, da sich die Lebenswelten von jungen Menschen durch eine hohe Dynamik und Wechselhaftigkeit auszeichnen.

Außerschulische Jugendbildung kann an vielen Orten stattfinden: in klassischen Einrichtungen der Jugendarbeit (ohnehin gibt es eine starke Wechselwirkung zwischen Jugendarbeit und außerschulischer Jugendbildung), in Bildungsstätten, während der Durchführung von Partizipationsprojekten, im Rahmen von Workshops. All diese Bereiche lassen sich weiter differenzieren, um so eine bunte und vor allem vielfältige Landschaft für außerschulische Jugendbildung zu zeichnen, welche in weiteren Artikel dieses Blogs ausgemalt und in Bezug zu der digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gesetzt werden wird.