Weblogs sind für die Bildungswissenschaft interessant. Sie können das Lernen unterstützen, didaktisch in Lernumgebungen implementiert werden und der Vernetzung und Kollaboration von Bildungswissenschaftlern sowie Interessierten dienen. Diese Punkte, die ich im Folgenden kurz skizzieren werde, sind nicht starr voneinander abgegrenzt, die Einsatzbereiche können sich durchaus überschneiden.

Lernende sind in formellen und informellen Lernumgebungen mit verschiedensten Formen von Wissen konfrontiert. Weblogs bieten hier die Möglichkeit, Wissen zu sammeln und darzustellen. Daraus kann sich ein Lerntagebuch entwickeln, welches den Fortschritt des Lernprozesses dokumentiert. Einzelne Artikel sind abgegrenzte, kurze Lerneinheiten. Diese kurzen Phasen werden auch als „Microlearning“ bezeichnet (vgl. Buchem, Appelt, Kaiser, Schön & Ebner, 2011). Diese kurzen Einheiten ermöglichen es dem Lernenden, individuell Themen zu bearbeiten, Artikel zu erstellen und zu kommentieren. Nach Buchem et al. (2011) liegt der Vorteil dieser Lernmethode darin, dass sie flexibel in den Alltag eingeflochten werden kann und sich somit an dem Lernenden orientiert. Sie führen aber weiterhin aus, dass trotz des verkürzten Inhalts eine intensive Einarbeitungsphase zu Grunde liegen kann, die einen größeren Zeitrahmen umfasst als das reine Abtippen des Textes (ebenda, 2011). Die Arbeit mit Weblogs ist als Ergänzung zu einer komplexen Lernumgebung zu verstehen, bei welcher der Lernende sich weiterführend und vertiefend mit ausgewählten Inhalten beschäftigt. Da technische Hürden nahezu verschwunden sind, ist die Benutzung von Weblogs an diesem Punkt vergleichsweise einfach umzusetzen.

Lehrende haben durch Weblogs Einblick in den Lernstand der Lernenden und können auf diesem Weg Rückmeldung bezüglich des Fortschritts oder des aktuell zu bearbeitendem Themas geben (vgl. Panke & Oestermeier, 2006). Die Kommunikation kann auch in die entgegengesetzte Richtung funktionieren, wenn z.B. Lehrende ein begleitendes Weblog führen, dort Materialen, Arbeitsaufträge und Studienmaterial zur Verfügung stellen und als Ansprechpartner fungieren. Weiterhin können Weblogs wie folgt in didaktische Lehr-Lern-Umgebungen integriert werden:

  • Lernende können in didaktischen Umgebungen Inhaltssammlungen erstellen. Diese Idee ist mit dem Einsatz eines Wikis vergleichbar, die Teilnehmer sammeln Materialien und Links und stellen sie aufbereitet auf einem Weblog dar. Hierzu ist es möglich, dass alle Teilnehmer Autorenrechte an einem Weblog erhalten und diesen gemeinsam füllen.
  • Lerntagebücher können den Fortschritt in Seminaren darstellen und den Lernprozess sowohl für Lernende als auch für Lehrende dokumentieren und überprüfbar machen.
  • Gruppenarbeiten und Kollaboration anhand eines Weblogs: Inhalte werden gemeinsam erstellt und gemeinschaftlich präsentiert (Baumgartner & Payr, 2011, S. 84). Ausgehend von einem Seminarblog können alle Teilnehmer auch ein eigenes Weblog betreiben und auf diesem Wege miteinander Themen bearbeiten (Bastiaens et al., 2013, S.55).
  • Lehrende können Weblogs als inhaltliche Ergänzung zu Vorlesungen oder Seminaren nutzen. Vertiefende Materialen, weiterführende Links und Media-Dateien können so zentral gesammelt werden. Darüber hinaus kann ein Weblog für das Erstellen und Verteilen von Studienaufgaben genutzt werden. Der Lehrende fungiert zudem als Ansprech- und Kommunikationspartner (vgl. Buchem et al., 2011).
  • Sammelbecken für Ideen während eines Brainstormings: Gedankengut kann von vielen in einen Weblog gestellt werden und wird von Anderen kommentiert und weiterentwickelt.
  • Weblogs als unterstützendes Modul des E-Portfolios: im Rahmen von selbstgesteuertem Lernen spielt das E-Portfolio für die Darstellung der erworbenen Kompetenzen, der Reflexion des eigenen Lernfortschritts und der individuellen Steuerung ein große Rolle (vgl. Hornung-Prähauser, Hilzensauer, Schaffert & Wieden-Bischof, 2013). Weblogs können diese Methode sinnvoll ergänzen und unterstützen, da sie ebenso den individuellen Fortschritt dokumentieren und sichtbar machen.

Weblogs bieten hervorragende Möglichkeiten der Vernetzung für Weblog-Betreiber. Dies trifft in hohem Maße auch für die Bildungswissenschaft zu. Autoren, die sich mit diesem Thema beschäftigen, bedienen eine eher kleine und überschaubare Leserschaft. Weblogs sind hier eine hervorragende Gelegenheit, dass sich sowohl in dem Feld Tätige, Studierende und Interessierte miteinander verbinden können. Fernab von Tagungen und über alle Grenzen hinweg bietet diese Form allen Beteiligten die Chance, sich zu informieren, auszutauschen und Kontakte zu pflegen. Für Einsteiger in diesem Gebiet eröffnet sich auf Grund von Trackbacks, Blogrolls und Kommentaren relativ schnell ein Netzwerk, dessen Fäden gut nachvollziehbar und verfolgbar sind. Schulmeister et al. (2010) weisen aber darauf hin, dass die Blogossphäre nur ein Baustein im Netzwerk der Bildungswissenschaft ist und sein kann. Zu gering ist die Anzahl der Akteure und damit einhergehend die Frequenz von Kommentaren. Vielmehr bietet sich ein guter thematischer Überblick, von einem intensiven Austausch oder weitergehenden Zusammenarbeit mittels Weblogs kann aber nicht gesprochen werden (ebenda, S. 341).

Weblogs – und weite Teile der Social-Web-Angebote – beziehen ihren Reiz aus der Ungezwungenheit und der Freiwilligkeit der Nutzung. Benutzer entscheiden in größtenteils freien Stücken, welche Inhalte sie zu welcher Zeit verarbeiten und darstellen wollen. Arnold et al. weisen dabei auf die Problemstellung hin, dass diese Werkzeuge ihren Reiz verlieren können, wenn man diese Methoden in formelle, strukturierte Lernprozesse integriert (2013, S. 187). Blogger folgen zumeist einer intrinsischen, persönlichen Motivation und verfassen nach einem eigenen Rhythmus ihre Beiträge. In formellen Bildungssettings ist durch den Lerndruck und strukturelle Anforderungen die Motivation mitunter eine andere, so dass hierunter das Nutzungsverhalten leiden kann (ebenda, S. 188). Der Gestaltung von Lernumgebungen wird somit eine hohe Bedeutung zugemessen, da vor allem in der Selbststeuerung und der innere Motivation der Antrieb eines Bloggers begründet liegt (ebenda, S. 189). Hier gilt es zu beachten, Lernenden genug Freiraum zu eröffnen, damit sie diese Motivation entwickeln können.

Zusammenfassend kann man sagen, das Weblogs als Kommunikationsmedium und als didaktisches Werkzeug eine große Bedeutung für die Bildungswissenschaft haben. Allerdings gilt es zu beachten, sie sinnvoll in Lehr-Lern- und Kommunikationsprozesse einzubinden und sie mit bereits existierenden Strukturen zu verknüpfen.

Erklärung: dieser Artikel beruht auf einer von mir verfassten Hausarbeit im Modul 1 des Studiengangs eEducation – Bildung und Medien an der FernUniversität in Hagen. Er wurde für diesen Beitrag leicht modifiziert.

Literatur:

Bastiaens, T., Schrader, C. & Deimann, M. (2013). Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. Hagen: FernUniversität Hagen.

Baumgartner, P. & Payr, S. (2011). Wissenschaftliches Arbeiten im Netz. Hagen: FernUniversität Hagen.

Buchem, I., Appelt, R., Kaiser, S., Schön, S. & Ebner, M. (2011). Blogging und Microblogging. Anwendungsmöglichkeiten im Bildungskontext. In Ebner, M. & Schön, S. (Hrsg.). L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. URL: http://www.l3t.eu

Panke, S. & Oestermeier, U. (2006). Weblogs in der Hochschullehre – Drei Fallbeispiele. Verfügbar unter http://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/kommunikation/weblog/weblogs_25.07.06cr.pdf [26.10.2013]

Hornung-Prähauser, V., Hilzensauer, W., Schaffert, S. & Wieden-Bischof, D. (2013). E-Portfolio – Konzept, Methode und Werkzeug für kompetenzbasiertes Lehren und Lernen. Hagen: FernUniversität Hagen.

Schulmeister, R., Leikauf, R. & Bliemeister, M. (2010). Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs. In Bauer, P., Hoffmann, H. & Mayrberger, K. (Hrsg.). Fokus Medienpädagogik. Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder (S. 317 – 347). München: Kopaed