Seit knapp 10 Jahren sind Podcasts Bestandteil des WWW. In einer Hausarbeit (an der FernUni Hagen) haben ich mich mit der Bedeutung von Podcasts für die Bildungswissenschaft beschäftigt. Diese Arbeit stelle ich in mehreren Teilen und inhaltlich unverändert hier vor. In diesem ersten Teil geht es um einführende Grundlagen sowie Merkmale und Eigenschaften von Podcasts.

Was sind Podcasts?

Der Begriff „Podcast“ hat seinen Ursprung ungefähr in den Jahren 2003 oder 2004 und ist eine Kombination aus den Begriffen „iPod“ (populärer MP3-Player von Apple) und „broadcasting“ (aus dem Englischen „senden“ oder „ausstrahlen“) und bezeichnet die Technik, die das automatisierte Herunterladen von kostenlosen Audiodateien auf einen MP3-Player ermöglicht. Nutzer können Podcasts einfach abonnieren und werden über einen sogenannten RSS-Feed automatisch über neue Folgen informiert (Möller, 2006, S.153).

Podcasts waren anfänglich nur das Spielzeug von Wenigen, die US-amerikanische Firma Apple hat durch seine Musiksoftware iTunes und die tragbaren MP3-Player Podcasts jedoch zu einer enormen Beliebtheit verholfen. Podcasts bieten heutzutage die einfache und kostenlose Möglichkeit, um sich unkompliziert ein eigenes Radioprogramm zusammenzustellen und neue Inhalte aus verschiedensten Kategorien entdecken zu können. Diese Audiodateien sind auf Grund moderner Technologie portabel und nach dem Herunterladen ohne Internetzugang jederzeit hörbar (Bastiaens, 2013, S.98).

Merkmale und Eigenschaften von Podcasts / Vodcasts

Technisch betrachtet handelt es sich bei Podcasts um komprimierte Audiodateien, die sich der Nutzer über das Internet herunterladen und auf verschiedenen Endgeräten mit einer speziellen Software anhören kann. Das Hören erfolgt zeit- und ortsunabhängig, so dass sich Hörer ein individuelles Programm zusammenstellen können. Der Länge von einzelnen Folgen ist kein Limit gesetzt, sie können wenige Minuten oder auch mehrere Stunden umfassen.

Durch die technische Fortentwicklung haben Podcasts eine Veränderung erfahren und sind nicht mehr auf das reine Audioformat beschränkt. Als eine der bekanntesten Weiterentwicklungen dürfte der Video-Podcast (im Folgenden als Vodcast bezeichnet) gelten, für den die gleichen Merkmale und Eigenschaften der Podcasts gelten, nur dass es sich nicht mehr um eine Audio- sondern um eine Videodatei handelt (Bastiaens, 2013, S.108f).

ZORN, SEEHAGEN-MARS, AUWÄRTER und KRÜGER führen für den Einsatz von Pod- oder Vodcasts im Bildungsbereich den Begriff Educast ein, der direkt auf einen pädagogisch-didaktischen Kontext hinweist (2013). Im Rahmen der Vorstellung meines eigenen Konzepts werde ich ebenso den Begriff des Educasts benutzen, da es sich dabei um einen Vodcasts mit bildungswissenschaftlichen Hintergrund handelt. Podcasts werden weiterhin funktional durch zusätzliche Erweiterungen ergänzt, durch sich weitere Begriffe herausgebildet haben: Enhanced Podcasts zeichnen sich durch die Hinzunahme von elektronischen Folien aus, die Kombination aus bewegten Bildern und einer Audiospur wird wie weiter oben beschrieben als Vodcast bezeichnet, Screencasts beinhalten kommentierte Bildschirminhalte, welche mittels spezieller Software abgefilmt werden, und  der Einsatz von starren Bildern und Grafiken wird Picturecast genannt (ebd.).

Diese Vielzahl von Begriffen kann zu Schwierigkeiten bei der genauen Zuordnung führen, da sich gewisse Ausformungen überschneiden. Der Übersichtlichkeit halber werde ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit die Begriffe Podcast für Audio- und Vodcast für Videobeiträge benutzen.

Podcasts sind eng mit der Entwicklung der Blogosphäre verwurzelt, zumeist werden Inhalte in vorhandene Weblogs integriert und können über diesen Weg abonniert oder angehört werden.  Nach BERNHARDT und KIRCHNER gelten für Podcasts die gleichen Merkmale, welche Weblogs auszeichnen (2007, S.72). Dazu zählen die umgekehrt-chronologische Reihenfolge, Permalinks, Kommentarfunktionen und die Ping- und Trackbacks. Weiterhin können Podcasts als Download zur Verfügung gestellt oder direkt in den Artikel eingebunden werden (ebd.).

Die Herstellung von Podcasts hat sich mit der technischen Entwicklung der letzten Jahren stark vereinfacht, so das auch Einsteiger mit geringem Aufwand einen eigenen Podcast produzieren können. Die zur Erstellung benötigte Software ist auf einem Großteil der PCs vorinstalliert oder steht kostenlos zur Verfügung (z.B. Audacity), entsprechende Technik ist heute ebenso in eine Vielzahl von Geräten integriert (Mikrofon, Kamera) oder kann preisgünstig erworben werden. Der Nutzer hat die Möglichkeit, einen Podcast „live“ aufzunehmen und etwaige zusätzliche Elemente direkt einzuspielen, oder aber die verschiedene Bausteine werden nachträglich in einer Software-Umgebung zusammengesetzt (Bastiaens, 2013, S.101f). Somit hat grundsätzlich jede Person mit einem internetfähigen Endgerät die Möglichkeit, als Sender zu fungieren und einen eigenen Podcast zu erstellen (Süss, Lampert, Wijnen, 2010).

Vielerorts wird die Einbindung eines Pod- oder Vodcast über einen RSS-Feed als konstituierend beschrieben (vgl. dazu Bastiaens, 2013; Süss, Lampert & Wijnen, 2010; Arnold, Kilian, Thillosen & Zimmer, 2013; Zorn, Seehagen-Marx, Auwärter & Krüger, 2013). Dieses Faktum scheint aktuell etwas zu bröckeln, was vor allem auf Plattformen wie etwa YouTube zurückzuführen ist. Diese erleichtern die Publikation und Verteilung von multimedialen Inhalten, erlauben das Einbetten in Weblog-Artikel und ermöglichen das Abonnieren und Verfolgen eines Podcasts ohne RSS-Feed. Nichtsdestotrotz erfüllen diese Produkte in meinen Augen die Anforderungen an einen Podcast.

Thematisch sind nahezu alle Bereiche des alltäglichen Lebens per Podcast abbildbar. Die zentralen Plattformen für Podcasts im Netz, www.podcasts.de und der iTunes-Store von Apple, verzeichnen jeweils siebzehn Kategorien von Bildung bis Wirtschaft. Diese Kategorien sind noch weiter ausdifferenziert und geben somit einen ersten Eindruck, wie vielfältig die inhaltliche Ausrichtung von Podcasts sein kann.

Literatur

Arnold, P., Killian, L., Thillosen, A. & Zimmer, G. (2013). Handbuch E-Learning. Lehren und Lernen mit digitalen Medien (3. Aktualisierte Auflage). Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag

Bastaiens, T. J. (2013). Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien. Hagen: FernUniversität in Hagen, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaft. Studienbrief 33080.

Bernhardt, T. & Kirchner, M. (2007). E-Learning 2.0 im Einsatz. „Du bist der Autor!“ – Vom Nutzer zum WikiBlog-Caster. Boizenburg: Verlag Werner Hülsbusch.

Möller, E. (2006). Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern (2., erweiterte und aktualisierte Auflagen). Hannover: Heise Zeitschriften Verlag.

Süss, D., Lampert, C. & Wijnen, C. W. (2010). Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Zorn, I., Seehagen-Marx, H., Auwärter, A. & Krüger, M. (2013). Educasting. Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden. In: Ebner, M. & Schön, S. (Hrsg.). L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. Verfügbar unter: www.l3t.eu