Auf Grund ihrer Popularität, großen Verbreitung und vergleichsweise unkomplizierten Produktion können Podcasts / Vodcasts als spezielle Medientechnologie in formellen und informellen Bildungssettings als Ergänzung und Erweiterung von bestehenden Lernarrangements eingesetzt werden. Dieser Beitrag führt meine Gedanken zu den allgemeinen Ausführungen zu Podcasts / Vodcasts fort und verknüpft sie mit Entwicklungen und Bezügen der Bildungswissenschaft.

Nach BASTIAENS sind Educasts neben Texten und Bildern ein weiteres Medium, um Informationen und Wissen zu verbreiten (2013). Sie können in formellen Bildungskontexten von Lehrenden benutzt werden, welche somit relativ unkompliziert Inhalte und Beiträge aufnehmen und veröffentlichen können. So werden Educasts nach ARNOLD ET AL. (2013) verstärkt in der Hochschullehre eingesetzt, um Präsenzveranstaltungen aufzuzeichnen und Studierenden zur Verfügung zu stellen. Audio- und Videoaufnahmen können zudem in Blended Learning Konzepte integriert werden oder aber, am Beispiel der FernUniversität in Hagen, eine größtenteils virtuell gestützte Lehre bereichern (ebd., S.194). Diese Lehrform ist als instruierendes Lehren anzusehen, dass den Grundzügen des Kognitivismus folgt. Nach diesem Modell werden durch gezielte Aufnahme und Verarbeitung von Reizen individuelle Lernprozesse in Gang gesetzt. Lernende können sich Lerninhalte individuell und selbstgesteuert zusammenstellen, wobei diese vorab von Lehrenden ausgewählt und aufbereitet werden. Diese Inhalte können von Lernenden in einer selbstbestimmten Reihenfolge und beliebig oft bearbeitet und wiederholt werden (Zorn et al, 2013). Die Produktion von bildungswissenschaftlichen-relevanten Podcasts ist dabei nicht auf Bildungsinstitutionen beschränkt sondern kann auch von Einzelnen geleistet werden.

Neben dieser passiven, rezeptiven Funktion können Educasts auch aktiv von Lernenden eingesetzt werden. Dies hat auf Lernende mehrere Auswirkungen. Einerseits setzen sie sich vertiefend mit Lerninhalten auseinander, um diese für eine audiovisuelle Präsentation aufzubereiten. Zu diesem Prozess gehört eine intensive Auseinandersetzung und Verarbeitung des Inhaltes. Weiterhin muss dieses Material selbstständig strukturiert und transferiert werden, womit diese Methode das konstruktionistische Lernen fördert (Zorn et al, 2013). Dieses Lernmodell basiert auf der Annahme, dass erst die individuelle Bearbeitung zu dem Aufbau von kognitiven Schemata führt und sich Lernende ihre eigene Wirklichkeit konstruieren. Zudem fördert diese aktive Produktion weitere fachdienliche Fähigkeiten und unterstützt unter anderem die Entwicklung von „(…) Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Medienkompetenz (…)“ (Arnold et al, 2013, S.195). Lernende setzen sich weiterhin damit auseinander, ein dem Educast zu Grunde liegendes Konzept zu entwickeln, etwaig benötigte Materialien herzustellen und die Audio- oder Videospur entsprechend nachzubearbeiten und zu schneiden.

ZORN ET AL (2013) haben weitere relevante Punkte identifiziert, die die Bedeutung des Einsatzes von Educasts in Forschung und Lehre untermauern. So unterstützen sie ortsübergreifend den Austausch zwischen verschiedenen Lehrinstitutionen, ermöglichen den Dialog von Lernenden und Lehrenden (zum Beispiel bei der Durchführung von Experteninterviews) und können als Präsentationswerkzeuge zur Darstellung von Arbeitsergebnissen dienen (ebd.).

Die aufgeführten Punkte haben den zusätzlichen Nebeneffekt, dass Informationen und Wissensbausteine einer breiteren Nutzerschicht zur Verfügung stehen. Bildungsrelevante Inhalte stehen in einer großen Anzahl relativ barrierefrei im Internet zur Verfügung. Damit ist gemeint, dass man neben einem Internetzugang und einer etwaigen Anmeldung auf entsprechenden Portalen keine weiteren Voraussetzungen erfüllen muss, um diese Inhalte zu rezipieren. Wissensvermittlung und das Anstoßen von Bildungsprozessen kann vermehrt im privaten Raum erfolgen und ist nicht mehr ausschließlich an tradierte Bildungsinstitutionen wie etwa die Schule oder Hochschule gekoppelt. VAN TREECK, HIMPSL-GUTERMANN und ROBES beschreiben dies als Wegbewegen von einem „hochschuldidaktischen Paradigma“ (2013). Ein aktuell stark diskutiertes und prominentes Beispiel dafür sind MOOCs (Massive Open Online Courses), wobei diese nicht ausschließlich auf das Werkzeug der Educasts zurückgreifen und diese als ein Baustein innerhalb dieser offenen Kurse zu verstehen sind.

Der Einsatz von Educasts in der Bildungswissenschaft hat weiterhin die als positiv zu wertende Folge, das bildungsrelevante Inhalte vermehrt orts- und zeitunabhängig rezipiert werden können. Sie lassen sich somit flexibler in den (Lern-)Alltag integrieren, Lernprozesse sind nicht mehr auf tradierte Umgebungen wie etwa Hochschule und Schule festgeschrieben (Arnold et al, 2013).

Als Fazit kann man an dieser Stelle festhalten, dass audio- und videobasierte Educasts einen deutlichen Mehrwert für formelle und informelle Bildungskontexte haben können. Sie stellen Lehrenden ein gutes Instrument für die Verteilung und Instruktion von Wissen bereit und ermöglichen Lernenden die aktive Auseinandersetzung mit diesen Inhalten und stoßen individuelle Lernprozesse an. Dabei muss betont werden, dass der Einsatz von Educasts einen didaktischen Unterbau benötigt, um die anvisierten Ziele zu erreichen und zu unterstützen.

Literatur

Arnold, P., Killian, L., Thillosen, A. & Zimmer, G. (2013). Handbuch E-Learning. Lehren und Lernen mit digitalen Medien (3. Aktualisierte Auflage). Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag

Bastaiens, Theo J. (2013). Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien. Hagen: FernUniversität in Hagen, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaft. Studienbrief 33080

Van Treeck, T., Himpsl-Gutermann, K. & Robes, J. (2013). Offene und partizipative Lernkonzepte. E-Portfolios, MOOCs und Flipped Classrooms. In: Ebner, M. & Schön, S. (Hrsg.). L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. Verfügbar unter: www.l3t.eu

Zorn, I., Seehagen-Marx, H., Auwärter, A. & Krüger, M. (2013). Educasting. Wie Podcasts in Bildungskontexten Anwendung finden. In: Ebner, M. & Schön, S. (Hrsg.). L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. Verfügbar unter: www.l3t.eu