Dieser Artikel resultiert aus einer schriftlichen Hausarbeit des Masterstudiengangs Bildung und Medien: eEducation und behandelt einführend das interdisziplinäre Forschungsfeld des CSCL – Computer Supported Collaborative Learning.

In der fachlichen Diskussion herrscht keine Eindeutigkeit über die begriffliche Auslegung von CSCL, so gibt es neben dem oben aufgeführten Begriff weiterhin die Variante des Computer Supported Collaborative Learning. Anhand vorhergehender Ausführung wurde verdeutlicht, dass damit unterschiedliche Implikationen verbunden sein können. Im Folgenden werde ich mich an die Begriffsdefinition von HAAKE ET AL verwenden, die die erstgenannte Form benutzen und für die CSCL „das gemeinsame Lernen in einer Gruppe“ bedeutet, „bei dem die Mitglieder gemeinsam Wissen erarbeiten“ (2012, S.2). CSCL steht für ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das über ein ausdifferenziertes Theoriegeflecht verfügt. Mit der Verzahnung von theoretischen Ansätzen aus Psychologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Pädagogik gilt CSCL heutzutage als der führende Forschungsansatz für digitale Lernmedien (Zottmann, Dillenbourg & Fischer, 2007, S.2).

CSCL wirkt individualisierten Lernprozessen entgegen und betont die Zusammenarbeit als Kernprinzip in (computer-basierten) Lehr-Lern-Szenarios. Die Integration von neuen, digitalen Medien ist dabei nicht per se mit einer Erfolgsgarantie verknüpft. Es bedarf eines didaktischen Überbaus, damit diese Technologien zielführend soziale Interaktionen und anvisierte Lernprozesse auslösen (Zottmann et al, 2007, S.2f). Dieselbe Annahme gilt für den Aspekt der Kooperation und Kollaboration, welche nicht automatisch eine Verbesserung von Lehr-Lern-Szenarien bewirken. WITT und GRUNE habe durch die Hinzunahme von anthropologischen und sozialisationstheoretischen Grundlagen aufgezeigt, dass der Mensch eine soziale Dimension für Bildungs- und Identitätsentwicklungsprozesse benötigt (2012, S.45).

Das Forschungsfeld des CSCL greift unter anderem die Analyse „Grounding in Communication“ von CLARK und BRENNAN (1993) auf, in welcher die Autoren die Bedeutsamkeit des Verstehensprozesses zwischen Personen herausarbeiten. Erst eine geteilte inhaltliche Basis führt zu einem gemeinsamen Verständnis. Dies ist basal für kooperative Lernprozesse in virtuellen Gruppen. Diese Basis lässt in virtuellen Lernumgebungen Gruppen entstehen, die die soziale Dimension in Entwicklungsprozessen erfüllen können und nach DÖRING stets vier Merkmale gemein haben:

  • Ongoing Interaction – Möglichkeit der fortwährenden und beständigen Kommunikation
  • Boundary and Structuration – Feste Strukturen und gleichzeitig Abgrenzung zur Umwelt
  • Sense Of Membership – Zusammengehörigkeitsgefühl
  • Collaboration – Zusammenarbeit und Wechselseitige Unterstützung (2003, S.492).

Sowohl DÖRING (2012) als auch JANNECK und JANNECK (2012) differenzieren zwischen kleineren und größeren Lerngruppen. Die Einteilung erfolgt nicht anhand konkreter Zahlen, sondern wird anhand des Interaktionsgrades innerhalb einer Gruppe definiert. An dieser Stelle wird nur auf die Kollaboration / Kooperation innerhalb kleinerer Gruppen eingegangen, da diese über eine höhere Kommunikationsdichte und persönliche Nähe verfügen.

Forschungen im Bereich CSCL haben aufgezeigt, dass die Kommunikationsstruktur grundlegende Auswirkungen auf den Arbeits- und somit auch auf den Lernprozess hat. JANNECK und JANNECK argumentieren, dass diese ein gleichberechtigtes Zusammenwirken unterstützen müssen (2012, S.59). Dazu gehört, dass Gruppen die Möglichkeit haben sollten, Rollen innerhalb des Gefüges eigenverantwortlich auszuhandeln und so den Aufbau eines teilnehmerzentrierten Beziehungsgeflechts zu gewährleisten. Kooperatives Lernen bedarf zudem einer entsprechenden Aufgabenstellung, welche Konkurrenzsituationen und Anonymität verhindern und eine möglichst breite Palette an sozialen Hinweisreizen garantiert (ebd., S.62). Computergestützte Anwendungen können die sozioemotionale Prozesse in virtuellen Lernumgebungen und die verschiedenen Phasen der Gruppenentwicklung aktiv unterstützen. Hier gilt es zu beachten, diesen Abläufen genügend zeitliche Ressourcen einzuräumen, da virtuell aufgestellte Gruppen mehr Zeit für die Konstituierung benötigen (ebd., S.65).

Computervermittelte Kommunikation muss im Rahmen von virtuellen Lernumgebungen garantieren, dass etwaige Problemstellungen, die durch das Wegfallen der Face-To-Face-Kommunikation entstehen können, überwunden werden. Durch den Rückgriff auf moderne Kollaborationswerkzeuge (etwa Email, Weblogs, Videokonferenzen, internet-basierte Textverarbeitung) kann es gelingen, CSCL-gestützte Lernumgebung zu implementieren. Innerhalb dieser Systeme kann räumliche Distanz durch die Schaffung eines übergeordneten Bezugsrahmens überwunden und somit Handlungskoordination für alle Teilnehmer gewährleistet werden (Schümmer & Haake, 2012, S.85). Die genannten Autoren führen weiterhin auf, dass durch die Auswahl von CSCL-Werkzeugen die Beachtung von bedeutsamen Aspekten, etwa der Einbezug der zeitlichen Dimension, der Informationsfluss zwischen den Teilnehmern und der gleichberechtigte Einsatz differenzierter Medien, gelingt und so den Rahmen für aktivierende Lernprozesse in virtuellen Lernumgebungen absteckt (ebd., S.87).

Im Bereich des CSCL werden verschiedene Formen von Lerngruppen beschrieben. Diese unterscheiden sich in den Bereichen der Größe, Zusammensetzung, Dynamik und Lernziele der jeweiligen Gruppe. Die verschiedenen Konstellationen werden durch das übergeordnete Ziel geeint, dass sie Wissen gemeinsam erarbeiten und vertiefen, kurz gefasst: sie lernen (Wessner, 2012, S.200). Lerngruppen erfüllen den Zweck, dass man kommunikativ und kooperierend Wissen sammeln, austauschen, bewerten und produzieren kann. Lernprozesse werden in Anlehnung an die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus durch produkt-, prozessorientierte oder komplexe Aufgabenstellungen angeregt. Diese zeichnen sich durch eine Vielzahl von Interaktionsmöglichkeiten aus und müssen in der Regel selbstgesteuert von den Teilnehmern erprobt und umgesetzt werden (Holmer & Jödick, 2012, S.113). Lerngruppen können für die Erfüllung dieser Hauptaufgabe auf eine Vielzahl an Werkzeugen zurückgreifen. So dienen etwa synchrone Videokonferenzen und asynchrone, textbasierte Programme als Grundlage für kommunikative Prozesse, moderne Textverarbeitung wird für die kooperative Sammlung und Erstellung von Materialien benutzt und cloud-gestützte Anwendungen fungieren als gemeinsame Dateiablage und stellen die gleichberechtigen Zugang zu erarbeiteten Inhalten sicher (ebd., S.114f).

Zusammengefasst steht CSCL für ein breit gefächertes Forschungsfeld, das mit differenziertem didaktischen Wissen und einer Vielzahl an lerntheoretischen Grundlagen den Boden für gelingendes computergestütztes, kooperatives Lernen bereiten kann.

Literatur
Clark, H.H. & Brannan, S.E. (1993). Grounding in communication. In: L. B. Resnick, J. Levine & S. D. Teasley (Eds.), Perspectives on socially shared cognition (Second Printing) (pp. 127-149). Washington: American. Abgerufen unter: http://www.psychology.sunysb.edu/sbrennan-/papers/clarkbrennan.pdf [27.07.2014]

Döring, N. (2003). Die Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen (2. Auflage). Göttingen: Hogrefe Verlag

Haake, J., Schwabe, G. & Wessner, M. (Hrsg.) (2012). CSCL-Kompendium 2.0. Lehr- und Handbuch zum computerunterstützten, kooperativem Lernen (2. Auflage). München: Oldenbourg Verlag. Aus diesem Lehrbuch stammen folgende Artikel:

Holmer, T. & Jödick, F. Kooperation in kleineren Lerngruppen. (S.112 – 120)

Janneck, M. & Janneck, M. Gruppen und Gruppenarbeit. (S.59 – 68)

Schümmer, T. & Haake, J. M. Kommunikation und Awareness.(S.84 – 96)

Wessner, M. Lerngruppen.(S.200 – 205)

Witt, C. de & Grune, C. Pädagogische und didaktische Grundlagen. (S.43 – 56)

Zottmann, J, Dillenbourg, P. & Fischer, F. (2007). Computerunterstütztes kooperatives Lernen. Eine Einführung in das Forschungsfeld. Abgerufen unter: http://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/cscl.pdf [13.03.2014]